Mein Beckenbodengeheimnis

Heute möchte ich es dir verraten, mein Beckenbodengeheimnis (und ich verrate dir gleich, das gilt auch Übertragen als tiefes-Bauchmuskulatur(Transversus)-Geheimnis bei einer Bauchwandschwäche oder Rektusdiastase!). Tadaaa: das Stichwort lautet Beckenbodenbewusstsein (oder übertragen TransversusGeheimnis, der besseren lesbarkeithalber lasse ich den Vergleich im weiteren Text weg, du kannst es aber weiterhin übertragen!). Was das nun bedeuten soll? Es steckt ganz viel dahinter, wo fange ich an?

Wenn ich in der ersten Stunde im Kurs bin, frage ich, was jede im Kurs erreichen möchte und zu 90% sagen die Frauen, sie möchten ihren Beckenboden kräftigen. Dann sage ich, dass das auf jeden Fall Teil des Kurses wird, aber ich erkläre gleich, dass Beckenbodentraining viel mehr ist als Krafttraining! Denn ausschließliches Krafttraining könnte auch nach hinten los gehen und Probleme verschlimmern, denn fehlende Kraft muss gar nicht das erste Problem bei Beschwerden wie Harnverlust sein. Außerdem muss für eine effektive Kräftigung der Beckenboden in seiner Hebefunktion angespannt werden können und das ist gar nicht mal so einfach! Ich vergleiche den Beckenboden oft mit der Nackenmuskulatur, weil das für die meisten greifbarer ist. Wie die Nackenmuskulatur neigt der Beckenboden zu Verspannungen, da er eine Haltemuskulatur ist. Das kann verschiedene Ursachen haben, z.B. ein immer währendes Gefühl gleich Urin zu verlieren und so wörtlich unter Spannung zu geraten. Aber Spannung ist nicht gleich Kraft, ansonsten hätte, um beim Nacken zu bleiben, jeder am Computer arbeitende Büromensch einen mordsmäßig starken Nacken, dabei ist er nur verspannt. Würde ich auf diese hohe Spannung nun nur kräftigen und das wohlmöglich auch noch (gut gemeint) zu häufig und mit zu hoher Intensität durchgeführt (ständig die Schultern gegen Widerstand Richtung Ohren ziehen), würde sich die Spannung nur weiter erhöhen (wahrscheinlich fühlst du beim Lesen schon die Schmerzen im Nacken), der Muskel würde „dicht“ machen. Denn je höher die Spannung ist, desto weniger durchblutet ist der Muskel und um Kraft aufzubauen, muss ein Muskel gut mit Sauerstoff versorgt werden, also gut durchblutet sein. In diesem, recht häufigen Fall, ist es also so, dass der Muskel erst einmal entspannt werden muss, bevor er gekräftigt werden kann. Warum kräftigen wir dann alle nur? Weil uns niemand erzählt, dass es eine zweite Seite gibt. Nun kennst du sie 🙂

Wenn ich nun weiß, dass der Beckenboden erst entspannt werden muss, um dann gekräftigt werden zu können, woher weiß ich, ob ich den Beckenboden entspannen kann? Jetzt kommt das Beckenbodenbewusstsein ins Spiel. Um herauszufinden, ob du deinen Beckenboden entspannen kannst, musst du ein Gefühl dafür entwickeln, wie sich Spannung im Beckenboden anfühlt. Wie fühlt es sich an, wenn ich den Beckenboden anspanne, wie fühlt es sich an, wenn ich den Beckenboden wieder löse, wie fühlt es sich an, wenn der Beckenboden dem Druck von oben (z.B. beim Niesen) nicht/doch standhalten kann? Welche Spannung hat er, wenn ich auf der Toilette sitze, welche, wenn ich huste? Das hört sich alles erst einmal ziemlich kompliziert und viel an, aber ich verspreche dir, du kannst es fühlen! Lasse deine Beckenbodenmuskulatur zu deiner besten Freundin werden und sie gibt dir viel Kraft für deinen Alltag und im Sport! Oder hättest du gedacht, dass es einen Unterschied macht, wenn du mit oder ohne Beckenbodenhilfe eine Kniebeuge machst? Nein, dann probiere es aus! Dein Beckenboden hilft dir nach oben! Hätte mir vor zehn Jahre jemand gesagt, dass ich so etwas einmal schreiben würde, den hätte ich ausgelacht. Ich komme aus dem Leistungssport, 800m Lauf. Da bist du froh, wenn du im Ziel bist, da war nichts mit, ich fühle den Beckenboden. Leider! Denn gerade Sportlerinnen würden viel vom Beckenbodentraining profitieren!

Auch auf die nächste Frage der Teilnehmerinnen in meinem Kurs ist Beckenbodenbewusstsein die Antwort: Ich werde oft gefragt: Muss ich mein Leben lang Beckenbodentraining machen? Das kommt natürlich darauf an, wie immer im Leben 😉 Ich antworte dann meistens, das wichtigste ist, dass du deinen Alltag beckenbodenfreundlich gestaltest, denn der ist 24/7! Es hilft kein „Training“, wenn ich täglich meinen Beckenboden nach unten huste, ihm täglich Druck auf der Toilette gebe, ihn beim Sprechen nach unten schiebe oder beim Atmen schlichtweg allein lasse. Beckenbodentraining ist Beckenbodenbewusstsein im Alltag. Dazu findest du im vorherigen Post mein kostenloses E-Book mit Alltagstipps.
Das alles ist der Grund, warum wir am Anfang jeder Kursstunde mit einer Übung für die Wahrnehmung des Beckenbodens beginnen. Denn was nützt es gleich mit großen Kräftigungsübungen zu beginnen, wenn ich nicht weiß, was ich da wie anspannen soll?? Wenn du gleich damit anfangen möchtest, deinen Beckenboden kennenzulernen, findest du ein einem vorherigen Post eine super Übung dazu. Lege dich aufs Sofa und los gehts! 🙂

Lasse deinen Beckenboden und deinen Transversus zu deinen besten Freunden werden 🙂

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